Das Chemnitzer Opernhaus am Premierentag | Foto: Helmut Nehrbaß, Wiesbaden
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Wiesbaden

Theaterfreunde erleben Chemnitzer „Premierenwunder“

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von Helmut Nehrbaß
erschienen am 23. Februar 2026

Geplant war eigentlich „nur“ ein facettenreiches Kultur-Wochenende in den beiden sächsischen Metropolen Chemnitz und Leipzig mit interessanten Theateraufführungen, Kontakt zu dortigen Theaterfreunden, einer Backstage-Führung, mit Ausstellungsbesuch und Stadtrundfahrt. 

Doch was die 42 Wiesbadener Theaterfreunde unter Leitung ihres Vorsitzenden Helmut Nehrbaß dann erlebten, war einzigartig und wird ihnen gewiss unvergesslich bleiben.

Denn der Theaterabend in Chemnitz mit der Premiere von Mozarts Oper „Don Giovanni“ nahm am Ende des ersten Aktes eine ungeahnte dramatische Wende.

Die folgende Pause schien endlos lange. Der Grund: Der Sänger des Leporello hatte einen Schwächeanfall erlitten und musste auf Anraten des Notarztes sofort in die Klinik. Aber einmal mehr stellte das Theater unter Beweis, dass es immer live ist. Denn Intendant Christoph Dittrich wusste, dass zufällig an diesem Abend Markus Marquardt, Bassbariton an der Dresdner Semper-Oper, im Publikum saß. Er hatte diesen schwierigen Part zuletzt vor zwei Jahren gesungen hatte, erklärte sich aber bereit, den Premierenabend zu retten, indem er die Rolle seitlich vom Notenpult aus einsang, während auf der Bühne die agile Regieassistentin Antonia Bär im Kostüm die Leporello-Rolle übernahm. Belohnt wurde dieser spontane Einsatz mit einem Riesenapplaus für beide. Bei der Premierenfeier sagte Marquardt erleichtert: „Ich wollte eigentlich die Oper vom Zuschauerraum aus erleben.“ Die Oper Chemnitz ließ später verlauten, dass der Leporello-Sänger Johann Kalvelage wieder auf dem Wege der Besserung sei.                

Die Wiesbadener Theaterfreunde konnten im weiteren Verlauf ihres Programms mit den Chemnitzer Kunstsammlungen kulturelle Schätze der Stadt kennenlernen, die 2025 als Europäische Kulturhauptstadt positive Schlagzeilen machte. Und in Leipzig, der zweiten Station der Reise, stand mit dem Gewandhaus und einer exzellenten Aufführung der Mozart-Oper „Cosi fan tutte“ – zum Glück ohne dramatischen Zwischenfall - erneut Kultur im Mittelpunkt, bevor man in Auerbachs Keller zu einem leckeren Abschlussessen zusammenkam.