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MUTHEA Nachrichten

„Es gibt ja auch produktiven Ärger"

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von Badische Neueste Nachrichten / -bl
erschienen am 21. Juni 2012

Zum Abschluss des Muthea-Jahrestreffens in Karlsruhe gab es eine Diskussion über „Regietheater"

 

bnnEin Gespenst geht um in Deutschland – und das heißt Regietheater. So musste man nach einem zweieinhalbstündigen Podiumsgespräch annehmen, das zum Abschluss des Jahrestreffens der „Muthea" im Badischen Staatstheater stattfand. „Muthea" steht für Bundesvereinigung deutscher Musik- und Theaterfördergesellschaften, und „Regietheater" steht offenbar für Unbehagen und

Unverständnis.

 

Peter Spuhler, Generalintendant des Hauses, fragte denn auch zu Beginn, ob es zu diesem (längst üppig durchdiskutierten) Thema „noch etwas Relevantes" zu sagen gebe, und erinnerte daran, dass sich inzwischen Begriffe wie „interpretierendes" und „bebilderndes" Theater eingebürgert hätten Ein Statement von Nelly Danker sollte gleichsam an die Quelle führen. Die Regisseurin der Abenteueroper „Robin Hood" sollte darlegen, wie sie ihre Arbeit angeht. Und weil sie mit Hans Neuenfels zusammengearbeitet hat, wurde sie ermuntert, doch etwas zum Stichwort Provokation zu sagen. Wodurch sie sich keineswegs aus der Ruhe bringen ließ: Provozieren um des Provozierens willen – das liege ihr, aber auch jedem ernsthaften Regisseur fern. Wenn das Publikum dann doch einmal befremdet ist, warum nicht: „Sich Aufregen ist gut, es gibt ja auch produktiven Ärger." Das sah nun Dietrich Fischer, der langjährige Vorsitzende der Muthea anders. Er plädierte dafür, das Publikum nicht zu überfordern. Zugleich sprach er sich gegen zu viel Vermittlungsangebot aus: „Ich lese auch in einem Kriminalroman nicht die letzten drei Seiten zuerst", meinte Fischer und mahnte die Theaterleute: „Sie haben nur einen Abend!"Dem widersprach Spuhler: Er erinnerte an die Langzeitwirkung, die Inszenierungen entfalten können. Zu Lang- und Kurzzeitwirkung von Intendanten sollte sich schließlich Klaus von Trotha äußern, Minister a.D. – da war dann der thematische Rahmen schon lange gesprengt.

 

Sätze fielen wie „Ein Intendant, der für Heidelberg gut ist, muss nicht gut sein für Karlsruhe", Mut wurde eingefordert, Unmut geäußert, jeder durfte sich mal aussprechen.

 

Eigentlich hatte Spuhler mit seiner Frage nach der Relevanz Recht.


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