Signale setzen in der Krise

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liebestheaterHeute verständigen sich die Ministerpräsidenten in großer Runde auf erste Ausstiegsszenarien aus dem Lockdown und stellen der Öffentlichkeit Strategien vor, wie wir die nächsten Wochen und Monate mit dem Corona-Virus dennoch werden leben können. Doch von einem wird nicht die Rede sein: von Kulturveranstaltungen. In Theatern und Konzertsälen den normalen Betrieb wieder hochzufahren, ist außerhalb des derzeitigen Vorstellungsvermögens und viel komplizierter als die Wiederöffnung eines Ladengeschäftes oder die Organisation des Schulunterrichtes: Die intensiven, oft schweißtreibenden Probenphasen mit vielen internen und externen Beteiligten, das umfangreiche technische Personal und das Publikum im vollbesetzten Zuschauerraum stellen unkalkulierbare Risiken dar.

Dabei ist doch normalerweise die Überwindung von Distanz in der Kultur nicht nur intellektuell und emotional, sondern auch räumlich stets das Ziel. Wie sollte das mit Hygienemaßnahmen vereinbar sein? Nach der Absage der großen Festivals in Göttingen, Halle und Bayreuth bangen wir nun um die Planungen für die nächste Spielzeit, die längst auf Hochtouren laufen sollten. Doch wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, als „nicht systemrelevant“ zu gelten. Nie hatten wir Kulturfördervereine eine wichtigere Aufgabe.

Wir müssen deutlich machen: Widmeten wir uns ehedem der Förderung einzelner Projekte, geht es jetzt um das große Ganze – den Erhalt unserer gesamten Kulturlandschaft! Unsere Mitglieder werden gerade jetzt gebraucht, um sich für die Belange ihres Theaters, der festangestellten, wie auch des großen Heeres der freischaffenden Künstlerinnen und Künstler einzusetzen. Und auch wenn niemand weiß, wie und wann es weitergeht, gibt es bereits erste Ideen zu helfen: Wer seinen Gutschein für eine ausgefallene Vorstellung nicht einlöst, spendet auf die denkbar einfachste Weise dringend benötigtes Geld. Wer stattdessen diesen Gutschein jemandem, der bislang noch nicht im Theater war, weiterschenkt, gewinnt einen neuen Theaterfan. Wer ein flexibles Wahl-Abo zeichnet, sichert seinem Haus das Publikum für die Zukunft und gibt ein Signal: Wir, die Zuschauer, sind da. Wir warten auf Euch!

Wir müssen deutlich machen, wie sehr uns der Zustand, dass Theater und andere Kulturinstitutionen geschlossen sind, schmerzt – sonst gibt es keinen Grund, sie wieder aufzusperren.

Herzlich

Ihre Katrin Lorbeer

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