Bonner Theaterpreis "Thepsis"

Den Sonderpreis für eine andere künstlerische Leistung hat der Vorstand der Produktion "Waffenschweine" (Regie Volker Lösch, Dramaturgie Nicola Bramkamp) wegen ihrer politisch-gesellschaftlichen Relevanz verliehen. Die Preise wurden während einer festlichen Matinee am 22. Juni in den Kammerspielen verliehen. Der Vorstand begründete die Verleihung des Sonderpreises an das Stück und die Inszenierung „Waffenschweine“ mit deren Funktion eines „Forums der Stadtgesellschaft“. Ein Spektrum der Bonner Verhältnisse wird beleuchtet und ein Nerv getroffen. So begleitete die ersten Aufführungen ein demonstratives Bekenntnis einer Schar von  Besuchern, „Füchsen“ und „Alten Herren“, die in den Farben ihrer Korporation erschienen waren. Wieder einmal verbannte offensichtlich das Bonner Schauspiel das „Gespenst der Erfahrungsarmut von der Rampe.“ (Wolfgang Engler). Die Attraktion der Aufführung macht nicht nur die Wahl des Stoffs aus, sondern auch die Inszenierung als Doku-Revue mit Tempo, mit teils bewusst sentimentalen Liedern, teils schmissiger Musik und flottem Szenenwechsel, bizarr, komisch, grotesk und erhellend sowie politisch engagiert.
Die Verleihung des Bonner Theaterpreises „Thespis“ wird in Zukunft wegen des Einspruchs der Leiterin des Schauspiels anderen Konditionen zu folgen haben. Sie hat den Freunden der  Kammerspiele mitgeteilt, dass eine Wahl von Kandidaten und deren Nominierung für den Preis unerwünscht sei. „Wir pflegen einen anderen Umgang miteinander und möchten das in unserem Haus nicht missachtet sehen, daher werde ich einer Preisverleihung in den Kammerspielen in der nächsten Spielzeit nur unter folgenden Konditionen zustimmen: Die Abstimmung durch das Publikum wird abgeschafft, das Theater Bonn stellt keine Urnen in den Foyers auf. Die Freunde der Kammerspiele stiften einen Preis, der Preisträger wird wenige Wochen vorher intern bekannt gegeben. Die Schauspielleitung verpflichtet sich, für die diskrete Anwesenheit des Preisträgers zu sorgen. … Wir haben … Probleme mit dem Procedere der Nennung dreier Nominierter …. Dies hat philosophische, ensemblepolitische und dramaturgische Gründe“. Und die „Sprechenden“ des Schauspielensembles teilten mit, „dass wir sehr wohl dem Anliegen der Leitung zugestimmt haben, den von Ihnen ausgelobten Theaterpreis nicht mehr in dem bisher üblichen Verfahren (drei Kandidaten aus denen am Tag der Verleihung einer bekanntgegeben wird) zu übergeben, sondern den alleinigen Preisträger im Rahmen der von Ihnen in unserem Theater durchgeführten Veranstaltung zu benennen und zu würdigen“. Der Bonner Theaterpreis wird also in Zukunft anderen Wegen und Zielen folgen.
Überwiegend kamen während der ersten Spielzeit unter der neuen Leitung des Schauspiels deutschsprachige Autoren zum Zuge: Unter 13 Produktionen sind Henrik Ibsen, August Strindberg, James Mathew Barrie und Dennis Kelly nichtdeutsche Autoren. Dem Kanon von Theaterstücken waren „Nibelungen“, „Leonce und Lena“ und „Wildente“ entnommen, acht  Produktionen waren „nach“ Texten, wie Filmdrehbücher, Romanen inszeniert, fünf rangierten als Uraufführungen.
Inzwischen sind die Querelen um die Zukunft der Preisverleihung in den Schattten geraten durch die Ankündigung der Stadtverwaltung acht Millionen Euro ab 2018, das ist etwas weniger als ein Drittel des Etats von Oper und Schauspiel, als Sparmaßnahme zu streichen. So steht nun die weitere Zukunft des Zweispartenbetriebes von Theater Bonn auf dem Spiel.

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