„Fidelio“ in neuem Kontext

Im Herbst 1989 stand Beethovens Rettungs- und Befreiungsoper „Fidelio“ geradezu im Zentrum eines wilden Strudels politischer Ereignisse.

Zur Premiere an der Dresdner Semperoper am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der Gründung der DDR, war das Theater eingekreist von Fahrzeugen der Staatsmacht. In der Innenstadt demonstrierten die Bürger. Und wie in einem Spiegel der Außenwelt erhob sich im Bühnenhaus ein massiver Gefängnisbau mit meterhohen Stacheldrahtzäunen. Die Inszenierung von Christine Mielitz wurde zur Legende. Mit am Regiepult saß damals die in Freiburg und Teheran aufgewachsene Assistentin Jasmin Solfaghari.

Fast 30 Jahre sind seit dem Mauerfall vergangen. Das Land hat sich verändert, aber auch im Jahr 2019 ist die Gesellschaft in Unruhe. Die Inszenierung der Oper „Fidelio“ steht in einem anderen, aber nicht weniger bedeutungsvollen Kontext. In der Spielzeit 2018/19 inszeniert Jasmin Solfaghari, unterdessen selbst renommierte Musiktheaterregisseurin, Lehrende und Autorin, ihre Lesart des „Fidelio“ am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau. Ihre Erinnerungen an die Wendezeit werden sie dabei sicherlich immer wieder begleiten.

Dass aus ganz Deutschland angereiste Theaterfreunde von MUTHEA am 11. Mai 2019 die Premiere dieser Inszenierung erleben können, ist ein wunderbares zeitliches Zusammentreffen von Ereignissen.

Seien Sie willkommen im Gerhart-Hauptmann Theater Görlitz-Zittau!

Ihr Philipp Bormann
Referent des Generalintendanten

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