Bericht vom MUTHEA-Jahrestreffen 2012 in Karlsruhe

Podiumsdiskussion zur MUTHEA-Tagung 2012 in KarlsruheVom 17. bis 19. Mai trafen sich Vertreter aus 12 Bundesländern zur Jahrestagung von Muthea – Bundesvereinigung Deutscher Musik- und Theaterfördergesellschaften e.V. Die Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters Karlsruhe e.V. sorgte dafür, dass bei einem interessanten Programm alle Beteiligten angenehme und informative Veranstaltungen besuchen konnten. Der Vorsitzende Dr. Bernd Krüger und seine Mitstreiter scheuten keine Mühe und organisierten Begegnungen der kurzen Wege für alle Gäste. Die Begrüßung durch die Kulturamtsleiterin von Karlruhe Frau Dr. Susanne Asche und den Generalintendanten Peter Spuhler bildete den Auftakt der Jahrestagung, die angefüllt war mit Theaterbesuchen und interessanten Diskussionen im Programm und auf privater Ebene.

 

Natürlich blieb bei diesem Empfang nicht unerwähnt, dass am Vortag beschlossen wurde, in Karlruhe in den nächsten 10 Jahren 120 Millionen Euro für Kulturbauten und deren Sanierung bereit zustellen. Das sind Summen, auf die viele von uns mit Verwunderung und ein wenig Neid blickten.

 

Die Jahresversammlung von Muthea fand am Freitag, 18.05.2012 von 9.30-15.30 Uhr statt. Die Vertreter der Fördergesellschaften verabschiedeten den langjährigen Vorsitzenden von Muthea, Dietrich Fischer, der auf eigenen Wunsch seine Funktion aus Altersgründen abgab. Bis zur nächsten Vorstandswahl im Jahr 2014 wird der 2. Vorsitzende Bernd Krumrey aus Kiel die Geschäfte führen. Mit einem Geschenk wurde Herrn Fischer für seine unermüdliche Arbeit der Dank ausgesprochen. Die Mitgliederversammlung ernannte ihn zum Ehrenmitglied der Bundesvereinigung. Über den Verlauf der Mitgliederversammlung gibt es ein gesondertes Protokoll.

 

Die Frage, die bei vielen Fördergesellschaften im Raum steht, lohnt sich eine Mitgliedschaft überhaupt, wurde während der regen Diskussion schnell beantwortet. Der angeregte Austausch von Informationen und Erfahrungen ließ auch diesmal wieder jeden Teilnehmer reicher zurückkehren. Nicht jeder Fehler muss von anderen auch vollzogen werden, neue erprobte Ideen bekommt man bei Muthea kostenlos. Ein Blick über den Tellerrand hinaus hilft auch, die eigene Arbeit besser einzuschätzen und Erfolge in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Muthea bietet im nächsten Jahr dieses große Forum des Erfahrungsaustausches in Bielefeld und eine Einladung an alle Theatergesellschaften sprechen wir schon heute aus.

 

Muthea gelingt es immer wieder, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Am Freitagabend besuchten wir im ausverkauften Haus die Oper „Lohengrin", wo wir sehr gute Ensemble-Leistungen erleben konnten. Alles in allem eine interessante Opernaufführung, bei der jedoch auch bei Opernkennern das Inszenierungskonzept nicht voll verstanden wurde. Mit dem Thema „Regietheater- Fluch oder Segen" konnten sich die Teilnehmer im Podiumsgespräch am Sonntag auseinandersetzen.

 

Das Schauspiel „Jakob der Lügner" nach einem Roman von Jurek Becker im Kleinen Haus am Sonnabend stellte die Gäste auf eine harte Probe. War es doch zunächst für zwei Stunden angekündigt, verdoppelte sich die Aufführungsdauer erheblich. Auch diese Vorstellung war ausverkauft. Emotional berührend gespielt von einem ausgewogenen Schauspielensemble erlebten wir eine große Vorstellung und verließen nach der langen Zeit aufgewühlt und berührt den Theatersaal. Die Karlsruher Theaterfreunde luden zu einem köstlichen Büfett und zum geselligen Beisammensein ins Foyer ein. So wurde die Nacht kurz, aber die vielen Informationen mit Künstlern und Teilnehmern immer ausgedehnter.

 

Dr. Krüger hatte es verstanden, uns zu den Mahlzeiten unter das Theaterpersonal in der Kantine unterzubringen und so waren wir stets preiswert und gut versorgt und bei bester Laune, was die Gespräche beflügelte.

 

Das Podiumsgespräch am Sonntag bildete einen weiteren Höhepunkt der Jahrestagung. Generalintendant Peter Spuhler als Moderator hatte an seiner Seite die Regisseurin Nelly Danker, den ehemaligen Minister Klaus von Trotha und als Vertreter des Publikums Dietrich Fischer. Wer geglaubt hatte, eine schlüssige Aussage zum Thema „Regietheater- Fluch oder Segen" zu erhalten, wurde gewiss enttäuscht. Die Diskussion zeigte sehr deutlich, dass sich die Ansprüche ändern, Wagner kann heute nicht so interpretiert werden wie vor 50 Jahren und nur historische Bezüge zu wählen, gestattet zu wenige Spielräume für Deutungen. Vom Publikum wurde jedoch mehrfach angemahnt, dass auch für den Theaterfreund eine Handlung und ihre Auslegung nachvollziehbar sein müssen. Trotz widersprüchlicher Meinungen war allen Beteiligten die Freude an einer Auseinandersetzung mit den Bühnenwerken anzumerken, keine Form des produktiven Herangehens an ein Werk wurde abgelehnt.

 

Als Mitglied des Muthea-Vorstandes ist es mir ein besonderes Anliegen, der Gesellschaft in Karlsruhe und vor allem Herrn Dr. Krüger für die erlebnisreichen Tage zu danken. Alle Veranstaltungen, auch das noch nicht erwähnte, sorgfältig ausgewählte Partnerprogramm hinterließen bei den Gästen nachhaltige Eindrücke und wir verließen wohl alle Karlruhe mit positiven Eindrücken. Selbst an die vielen Baustellen hatten wir uns gewöhnt und sehen Karlruhe im Aufbruch.

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