Zum Förderverein „Spot an!“Junges Staatstheater Parchim e.V.

Das Wunder

Schließlich geschah das Wunder: Stadt, Landkreis und Landesregierung einigten sich auf den Fortbestand des Theaters in der kleinen Landidylle Parchim. Zwar kann sie auf ein prächtiges mittelalterliches Rathaus und zwei große, über 750jährige Kirchen backsteingotischer Baukunst verweisen, aber von Abwanderung und Geburtenrückgang gebeutelt war und ist sie auf ein erhöhtes Engagement ihrer Bürger angewiesen. Allzu leichtfertig wird ansonsten die durch politische Entscheidungen forcierte Benachteiligung des ländlichen Raums vorangetrieben. Dabei leben auch in MV Kinder, Jugendliche, Familien, Berufstätige und Senioren, die nach Kultur lechzen, zeitgemäße Bildungsimpulse und anspruchsvolle Unterhaltung wie die Luft zum Atmen brauchen.

Inzwischen ist der Landeshaushalt Mecklenburg-Vorpommerns ausgeglichen, das Theater arbeitet mit immer neuen Ideen und viel beachteten Stücken – und muss noch Bewährungsproben bestehen, die es in sich haben. Am 15.Januar 2013 musste das Haus baupolizeilich gesperrt werden. Das Publikum hielt dem Haus jedoch die Treue und sorgt dafür, dass die Aufführungen auf kleineren Ersatzbühnen dank des unglaublichen Engagements aller Theaterbeschäftigten ohne Einbruch der Besucherzahlen gut besucht bleiben. Dazu trägt entscheidend bei, dass das Parchimer Theater mit der Unterstützung des Fördervereins kontinuierlich den Schwerpunkt Kinder- und Jugendtheater ausgebaut hat und mittlerweile mit zwölf Schulen – gerade auch in umliegenden Dörfern - Kooperationsverträge unterhält. Mit großer Selbstverständlichkeit wird das Haus seinem Bildungsanspruch und einem begrenzten Unterhaltungsangebot gerecht. Dabei setzt es kontinuierlich demokratiepädagogische Akzente, etwa mit Stücken wie „Hallo Nazi“, „Familie Braun“ (derzeit bundesweit einzige Bühne mit diesem soeben in New York ausgezeichneten Stück!), aber auch „Faust I“ oder „Nur für drei Tage“. Für die Atmosphäre der Stadt ist es eine hinreißende Bereicherung, die jungen Schauspieler auf der Bühne und im Stadtbild zu erleben.

Seit reichlich einem Jahr ist die Fusion mit dem Mecklenburgischen Staatstheater perfekt, das sich mit Bravour den komplizierten Fragen des Zusammenwachsens eines großen (Schwerin) und eines kleinen (Parchim) Hauses stellt. Die Trägergesellschaft von Land, Landkreis Ludwigslust-Parchim, Stadt Schwerin und Stadt Parchim gewährleistet eine verlässliche Zukunftsperspektive und die gelingende Zusammenarbeit mit der Schweriner Gesellschaft der Freunde des Mecklenburgischen Staatstheaters lässt die eine Autostunde Entfernung leicht vergessen.

76 Mitglieder

Der Förderverein „Spot an!“ Junges Staatstheater Parchim e. V. mit seinen jetzt 76 Mitgliedern konzentriert sich auf jährlich vier Schwerpunkte: Abend der Begegnung mit den künstlerisch Beschäftigten der Parchimer Bühne im Frühjahr, Theaterstammtisch mit zünftigem Grillen direkt am Ufer der Elde (ein Fluss, der in die Elbe mündet), Sommerspecial sowie die diskussionsfreudige Jahresmitgliederversammlung im Spätherbst. Spendenaktionen zugunsten außerplanmäßiger Anschaffungen für das Theater, ein Mal- und Zeichenwettbewerb, der gemeinsame Besuch der „Adventsgeschichten“ und die finanzielle Unterstützung von Theaterbesuchen ganzer Schulklassen und von Flüchtlingskindern runden das Engagement ab.

Die Zukunft

Für die Zukunft steht die Vertiefung des Zusammenspiels mit dem Schweriner Theaterförderverein und die weitere Heranführung von Kindern und Jugendlichen an das Theaterleben auf der Tagesordnung. Selbstverständlich benötigt auch die Vorbereitung von endlich zugesagten Bauinvestitionen und die Konzeptionsentwicklung des Theaters die freundlich-aufmerksam-ernsthafte Begleitung durch den Förderverein. Das Ensemble des Jungen Staatstheaters Parchim macht die Kooperation leicht – ein Theater-Jugendclub und ein Theaterclub für Erwachsene „Die Pütter Bretter“ sind nur zwei der Brücken in alle Bereiche der Bevölkerung im südwestlichen Mecklenburg. Kein Wunder, dass einige Jugendliche aus der Region erfolgreich ihre Ausbildung und Laufbahn als Schauspieler begonnen haben. „Ohne das Theater hätte ich bei Weitem nicht so viel Sprachfähigkeit, Selbstvertrauen und Literaturkenntnis gewonnen, für meine Biographie war das Theater in meiner Heimatstadt ein Segen.“ Diesem so oder ähnlich häufig zu hörenden Kompliment junger Leute, die inzwischen in alle Welt ausgeflogen sind, ist nichts hinzufügen.

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