Ein Vormittag mit Peter Konwitschny und den Mannheimer Theaterfreunden

Konwitschny coverMannheims Theaterfreunde und Opernfans hatten am Vormittag der Mannheimer Premiere von „LA JUIVE“ inszeniert von Peter Konwitschny (eine Koproduktion mit der Oper Antwerpen/Gent) das ganz besondere Vergnügen, den Regiemeister gleich doppelt kennenzulernen – nämlich einerseits in persona und andererseits in Zitaten aus dem neuen Buch von Andrea Welker über sein Lebenswerk. Die Herausgeberin war eigens nach Mannheim gekommen, um ihr Buch im Gespräch mit Peter Konwitschny und seiner Dramaturgin Bettina Bartz selber vorzustellen.

Zum Buch: Der über 500 Seiten und viereinhalb Kilo starke Band beinhaltet neben vielen privaten und Theaterfotos auch Arbeitsmaterialien und Kommentare zu den meisten Inszenierungen von Peter Konwitschny. Nach Städten gegliedert, zeichnet das Buch ein eindrucksvolles Bild des europaweit hochgeschätzten Opernregisseurs. Andrea Welker konnte dabei auf Texte von Kollegen und Mitstreitern zurückgreifen. Aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln schrieben z. B. der Dokumentarist Alexander Kluge, der ehemalige Münchner Opernintendant Sir Peter Jonas, die Tochter des Operettenkomponisten Imre Kálmán, der Bühnenbildner Bert Neumann, der Dirigent Kirill Petrenko, die Sängerin Margit Petersen und viele andere Künstler, Fans und Theaterkritiker.

Der Untertitel „Mensch, Mensch, Mensch“ ist bewusst gewählt - nicht nur, weil er davon zeugt, wie konsequent der Regisseur in seiner Theaterarbeit immer menschliche Beziehungen und soziale Verhaltensweisen im Blick habe, sondern auch, weil bei ihm Berufliches und Privates auf besondere Weise verschmelzen, da er mit Leib und Seele in seiner Arbeit aufgehe. Besonders treffend formulierte es die ehemalige Intendantin des Berliner Ensembles und international als Opernregisseurin erfolgreiche Ruth Berghaus, bei der Konwitschny als Assistent seine Laufbahn begann und die seine Lehrerin und Mentorin wurde. Anlässlich einer Preisverleihung in Berlin hatte sie in ihrer Laudatio gesagt: „Konwitschny glättet nichts und führt uns nicht aufs Glatteis. Seine Unbestechlichkeit lässt das gar nicht zu. Sie ist im Angesicht unserer Zeit sozusagen sein größtes Laster. Er gibt uns Einblicke in die Schichten unter dem Glatteis, er nutzt vergnüglich mit Sängern und Schauspielern und Licht und Form und Stoff und Vers und Farbe und Noten die Dimensionen des Theaters. Ein Spieler. Und wenn Sie denken, dass er nach dem Spiel aufhört, ein Spieler zu sein, dann irren Sie sich. Er ist kein Mensch der Konvention, sondern, wie jedes Bürgerideal, ein Kompromiss. Nur, er weiß es und nutzt es. Das macht ihn überlegen. Er leistet sich diesen Luxus, und ich gratuliere ihm dazu. Er hat Freude an sich und bleibt sich treu.“

Zum Abschluss erzählte Peter Konwitschny, wie er diese vor einigen Monaten in Gent herausgekommene Inszenierung nun mit dem Mannheimer Ensemble noch einmal genauso gründlich erarbeitet hatte, dabei auf die jeweiligen Sänger und ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten feinfühlig und flexibel eingehend, trotzdem aber die ursprüngliche Konzeption und politische Aussage dieses hochaktuell wirkenden Werkes beibehaltend. Er schwärmte von der guten Zusammenarbeit und der hohen Qualität des Hauses, was die Theaterfreunde beglückte.

Apropos hochaktuell: Am 16. April findet in Augsburg die Premiere von Peter Konwitschnys Schostakowitsch-Interpretation „LADY MACBETH VON MZENSK“ statt, auch dies eine Inszenierung, die heutige Zuschauer sowohl stark amüsiert und tief berührt – wie uns in Mannheim berichtet wurde.

Am 6. Mai, dem ersten Abend unseres MUTHEA Jahrestreffens in Augsburg gibt es Gelegenheit, sich die Oper anzuschauen ...