MUTHEA e.V.

Bundesvereinigung deutscher Musik- und Theaterfördergesellschaften

Rostock

Neue Spielzeit in Rostock mit zwei Vereinsprojekten - Blumen und Stimmkarte

volkstheater-rostockDie neue Spielzeit hat begonnen. Mit einem Theaterfest bei schönstem Sonnenschein startete das Volkstheater Rostock Ende September gemeinsam mit seinem Publikum in die neue Spielzeit. Ein attraktiver Spielplan ist gelungen: mit 27 Neuinszenierungen im Schauspiel, Musik- und Tanztheater, die in drei Themenkreisen zueinander finden. Hinzu kommen 18 Wiederaufnahmen und natürlich die Konzerte, die in Rostock ein sehr treues Publikum haben. Insgesamt werden 36 Konzerte stattfinden, darunter 10 Philharmonische Konzerte mit je drei Aufführungen, darunter ein Konzert zum Film „Buddenbrooks“, für den die  Norddeutsche Philharmonie seinerzeit die Filmmusik eingespielt hatte, darunter die hoch gerühmte Klassiknacht im Rostocker Zoo und mehrere Kammer- und Solistenkonzerte. Da zeigt sich, was ein Vier-Sparten-Haus leisten kann!

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Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

rostockAm 10. August lud die Ostsee-Zeitung im Vorfeld der Landtagswahl die Spitzenkandidaten der demokratischen Parteien ein. Im Vorfeld waren Fragen der Wähler bei der OZ eingegangen. Nur wenige ausgewählte Fragen wurden im Verlaufe des zweistündigen Abends den Kandidaten gestellt. Die Dramaturgie der Veranstaltung bot den Politikern viel Zeit und Raum für ihre Statements. So wichtig und richtig diese Veranstaltung war: Der Wähler war doch wieder vor allem der Zuhörer. Nur wenige Fragen und Zwischenrufe erreichten akustisch das Podium. So war es uns als Verein nicht möglich, Kritik an der Kulturpolitik und an der Theaterreform zu üben. Grundlage der geplanten kurzen Anmerkung war das im Vorstand entstandene längere Statement, das wir hiermit veröffentlichen. Auch in den nach dieser Veranstaltung in der OZ veröffentlichten Profilen und Zielen einzelner Parteien und Kandidaten fehlen Aussagen zur Kulturpolitik zur Gänze! Die kulturpolitische Kompetenz tritt nicht in Erscheinung!

Die Legislaturperiode nähert sich dem Ende. Angetreten war die jetzige Landesregierung mit dem Vorhaben, die Theaterlandschaft zu reformieren. Dies sei unbedingt notwendig, so hieß es wiederholt, um die Theater zukunftssicher zu machen. Was diese Zukunftssicherheit bedeuten sollte, blieb unklar. Diese fragwürdige Prämisse sowie die dafür gewählte Methode, die Theaterreform, haben im Rückblick auf die letzten fünf Jahre den Theatern geschadet, auch unserem Volkstheater Rostock. Der politische und finanzielle Druck auf die Theater stieg, die Häuser gerieten in eine politisch verursachte Krise. Das Publikum blieb trotz aller Proteste außen vor.
Wären die Theater des Landes nur ein gesellschaftliches Randphänomen, könnte die Theaterreform als wenig geglücktes Projekt beiseite gestellt werden. So aber ist es nicht. Theater sind in unseren Zeiten der kulturellen Verunsicherung und der vielgestaltigen Desorientierung und Überforderung äußerst wichtige Agenturen kultureller Botschaften. In den Theatern arbeiten hochqualifizierte Leute, deren Produktionen sich immer einem humanistischen Welt- und Menschenbild verpflichtet fühlen! Unsere Theater sind intelligente Orte geistvoller Energie und Orte generationenübergreifenden Geselligkeit. Sie sind Identitätsstifter!
Die Theaterpolitik der noch amtierenden Landesregierung, so registriert das unser Verein, hat bei vielen Wählern der sogenannten bürgerlichen Mitte zu einem grundsätzlichen Misstrauen in die Politik der SPD-geführten Landesregierung geführt. Die Theaterreform grenzt an eine Bankrotterklärung der bürgerlichen Parteien in Sachen Kultur und Bildung.
Der Theaterförderverein erwartet daher von der nächsten Landesregierung, diese kulturfeindliche Theaterreform aufzugeben. Es ist ein großer Irrtum, Theater nur als Kostenfaktor zu begreifen und Kultur nur zu dulden, wenn sie Massen anspricht und möglichst kostenneutral agiert. Theater als große Kunstzentren muss man sich leisten; Kunst muss man manchmal auch aushalten, das ist ein Wesensmerkmal freiheitlicher Gesellschaftsordnungen!
An Sie, Herrn Ministerpräsidenten, daher unsere direkte Ansprache: Bitte nennen Sie uns positive Ergebnisse der Landestheaterpolitik für Rostock! An alle Spitzenkandidaten richten wir die Frage: Werden Sie nach der Wahl diese Theaterreform weiter führen?

Vorstand der „Freunde und Förderer Volkstheater Rostock e.V."

Statement der „Freunde und Förderer Volkstheater Rostock e.V.“ zur fristlosen Kündigung des Volkstheater-Intendanten Sewan Latchinian

latchinianAls Sewan Latchinian, der von den Stadtoberen erwählte Intendant, nach Rostock kam, erwarteten Politik, Verwaltung sowie auch das Publikum neuen Schwung für das von vielen als lethargisch wahrgenommene Vier-Sparten-Volkstheater. Der Theatermann machte sich an die Arbeit und versetzte mit seiner Energie und Leidenschaft die Rostocker in Erstaunen.

In nur zwei Jahren kamen zustande: zwei bemerkenswerte Theaterspektakel, mehrere Uraufführungen, darunter ein Text von Uwe Johnson. Gespielt wurde in der Brauerei und im Bunker, im Zoo und auf der Hohen Düne. In der Kleinen Komödie gelang die Sommerbespielung. Die Theaterkantine lud nach Vorstellungsende die Zuschauer zu Gespräch und Wein. Ein neues Format, der „Denkraum“, ging an den Start. Und so auch die Bürgerbühne und das Puppenspiel. Bis heute fährt die blaue Theaterstraßenbahn durch Rostock und kündet von dem Potenzial und Aufbruch des Volkstheaters unter dem Intendanten Sewan Latchinian. Zwei und oftmals drei Vorstellungen täglich sorgten dafür, dass das Theater vom Stadtvolk wieder wahrgenommen wurde. Wer versucht, dem Intendanten und dem Ensemble künstlerisches Versagen vorzuwerfen, sollte gut argumentieren können.

 

Die wirkliche Krise setzte mit der wankelmütigen Kulturpolitik der Bürgerschaft ein, die dem Druck seitens des Oberbürgermeisters und des Kultusministers nicht standhalten konnte oder wollte. So sah sich der Intendant, zweifellos ein kantiger Charakter und Urheber markiger Worte, nach nur wenigen Monaten mit einem beispiellosen Schwenk der Rostocker Theaterpolitik konfrontiert. Sicher gehört es zu den Aufgaben eines Geschäftsführers, sich dem Gesellschafter gegenüber loyal zu verhalten. Doch für den politisch gewollten, organisierten Kulturabbau brauchte es keinen Intendanten, sondern einen Insolvenzverwalter. Diese Rolle zu übernehmen war der Intendant nicht bereit. Kann man ihm das vorwerfen?

 

Wir alle gehören nun ein weiteres Mal zu den Verlierern einer Kulturpolitik, die ein kluges und geordnetes Verfahren genannt zu werden nicht verdient. Es fehlt, frei nach Brecht, an Leidenschaft, Anmut, Mühe und Verstand. Rostock verliert einen streitbaren Intendanten. Rostock verspielt mit dem Abbruch einer vielversprechenden Theaterentwicklung ein weiteres Mal die Chance, seine kulturelle Identität jenseits großer Volksfeste auszuprägen. In Rostock gilt eine Meinung schon als Argument; hier reicht es, sich persönlich bei Amtsinhabern und Volksvertretern missliebig zu machen, um abgestraft zu werden. Eine Stadt, die ihre Kultur nicht schätzt, die Intendant um Intendant verschleißt, die mit ihrer eigenen Geschichte kulturell nur wenig anzufangen weiß, ist keine Großstadt! Rostock verzichtet schlecht gelaunt weiterhin auf eine niveauvolle Streitkultur, auf geistvolle Urbanität und wird mit dieser provinziellen Miesepetrigkeit unweigerlich weiter zurückfallen hinter die anderen Ostsee-, Hanse- und Theaterstädte.
Antje Jonas
Vorsitzende

Zwischenruf aus Rostock!

Die Debatte um das Volkstheater Rostock wird weitergehen. Auch nach dem Gesellschafterbeschluss und dem nun vorliegenden Konzept wird die Debatte weitergehen.

volkstheater-rostockDas Misstrauen gegenüber dem Gesellschafter, gegenüber der kulturpolitischen Kompetenz von vielen Mitgliedern der Bürgerschaft und der erpresserischen Landestheaterpolitik ist zu groß geworden. Sehr viele Rostockerinnen und Rostocker argumentieren seit Jahren, dass ein starkes Stadttheater für das kulturelle Niveau der Stadt und gleichermaßen die kulturelle Ausstrahlung der Stadt unverzichtbar ist. Unablässig haben Rostocker und Rostockerinnen daher versucht, dieser Erkenntnis Ausdruck zu verleihen. Der Eindruck drängt sich auf, dass diesem Engagement letztlich kein Erfolg beschieden war. Rostock hat seit der Wende seine kulturelle Identität nicht gefunden! Der Theaterförderverein erwartet dieser Tage von der Bürgerschaft, dass der nun einsetzende Prozess der Kommunikation und Argumentation des vorliegenden Konzeptes bürgernah erfolgt. Ein Bürgerforum ist unabweisbar. Das Rostocker Theaterpublikum hat Fragen zu den Chancen und Risiken des im Konzept dargelegten Vorgehens zum strukturellen und inhaltlichen Umbau des Volkstheaters. Es erwartet nach seinem großen bürgerschaftlichen Engagement zugunsten eines Vier-Sparten-Hauses überzeugende Argumente seitens der Kommunalpolitiker, des Gesellschafters und des Geschäftsführers des Volkstheaters. Der Intendant hat mehrfach öffentlich seine Kritik an dem Konzept formuliert. Dies geschah zuletzt auf der Theaterdemonstration am 27. Februar.

Es steht einiges auf dem Spiel. Die Ansichten und Argumente des Theaterpublikums anzuhören und in den Gesamtprozess der politisch erzwungenen Umstrukturierung des Volkstheaters Rostock einzubeziehen ist unumgänglich geworden, um der Demokratie gefährdenden weiteren Entfremdung zwischen dem politischen Raum und der Stadtgesellschaft zu begegnen.

Denk' ich an Rostock in der Nacht ...

volkstheater-rostockDie Theaterdiskussion hat mit Beginn des Jahres wieder Fahrt aufgenommen. Doch es fehlt nach wie vor eine Lösung.

Vor über zwanzig Jahren hat die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock einen Theaterneubau für ein Vier-Sparten-Haus beschlossen. Vor wenigen Monaten erst hat die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock einen Standort beschlossen. Die Bürgerschaft beschließt, die Verwaltungsspitze aber will etwas anderes. So wird in Rostock seit Jahren mit viel Energie Stillstand und schlechte Stimmung produziert. Leidtragende: das Theater und sein Publikum. Das Thema Theaterneubau beherrscht die Diskussion derzeit aufs neue; wiederum ein dunkler Pinselstrich auf einem Krisengemälde, für das man inzwischen eine sehr große Leinwand brauchte.

Der Neubau eines Theaters in Rostock ist seit über zwanzig Jahren eine beschlossene Sache. Doch die Stadt kann die Kosten allein nicht aufbringen, also braucht Rostock Geld vom Land. Dieses regiert aus dem Kultusministerium heraus mit harter Hand, doch mit wenig Verstand und politischer Weitsicht. So kam unter großem, politischen Druck aus Schwerin im Februar 2015 eine Zielvereinbarung zwischen dem Land und der Bürgerschaft zustande. In diesem Vertrag knüpfte das Land seine finanziellen Zusagen für einen Neubau sowie seine Zuschüsse für das Theater an Bedingungen. Eine dieser Bedingungen: Dem Theater wird ab 2018 rund eine Million Euro von den städtischen Zuschüssen abgezogen. Der Grund: Mit dieser Summe soll das Theater den Theaterneubau refinanzieren. Ein Unding, denn der Neubau wäre Eigentum der Stadt, das Theater nur Mieter der Immobilie. Seit wann bezahlt ein Mieter bitteschön die Baukosten? Gibt es Vergleichbares? Ein Theater bezahlt einer Stadt eine Immobilie? Der Neubau kommt ohnedies definitiv nicht im Jahr 2018, sondern sicher erst vier fünf Jahre später! Selbstredend würde diese eine Million ab 2018 im Etat des Hauses sofort fehlen, das Theater müsste sich weiter kaputt sparen und müsste umstrukturiert werden. Das genau ist gewollt. Der Neubau kommt, wenn das Theater bereit ist, sich zu amputieren. Man spendiert ein Haus, wenn man das Theater endlich da hat, wo man es in seinem selbstherrlichen Amtsverständnis sehen will, auf den Knien. Hier werden Machtspiele gespielt, ganz schlechtes Theater.

So tragisch die Zustimmung der Bürgerschaft zu diesem Knebelvertrag vor einem Jahr war, so setzte glücklicherweise danach doch allmählich ein Umdenken ein. Die Folge: Am 20. Januar dieses Jahres kippte die Mehrheit für diese Zielvereinbarung. Die Bürgerschaft beschloss in der Folge, eine Refinanzierung der Baukosten durch das Theater erst zuzulassen, wenn es als Mieter in den Neubau eingezogen sein wird. Der OB warf daraufhin der Bürgerschaft vor, die Zielvereinbarung aufgekündigt, also den Vertrag mit dem Land einseitig gebrochen zu haben. Grund genug für ihn, das Ende der Neubaupläne über die Zeitung verkünden zu lassen. Keine Bereitschaft zum Gespräch, keine Verhandlung mit Schwerin, aus Schluss, vorbei. So reagiert ein Mann, der Verantwortung für die kulturelle Zukunft einer ganzen Stadt trägt.

Wenige Tage später dann wieder ein großer Artikel über Theaterneubaupläne in der Rostocker Ostsee-Zeitung! Der Leser rieb sich die Augen! Nun plötzlich hieß es, dass der Theaterneubau in einem der Rostocker Neubaugebiete realisiert werden könnte und die dort bestehende Messehalle ausgebaut werden sollte! Kein Wort mehr seitens des OB von dem Ende der Neubauträume, wo doch der Vertrag durch die missliebige Bürgerschaft gebrochen worden sei!? Diese von der CDU wohl aus wahltaktischen Gründen vorgebrachte und vor Jahren schon als unrealistisch vom Tisch genommene Idee „Theater und Stadthalle“ findet also die Anerkennung durch den Oberbürgermeister. Dahinter steckt vermutlich seine Strategie, dass nach kalkulierter Niederlage dieser unsinnigen Idee sein Vorhaben, das Theater am Wasser zu bauen, wieder auf den Tisch käme. Doch die Bürgerschaft hat einen anderen und kostengünstigeren Standort längst beschlossen! Doch Bürgerschaftsbeschlüsse haben diesen Mann noch nie wirklich interessiert. Sind die Beschlüsse nicht genehm, wird verhindert, gemauert, ausgesessen. Nebelkerzen und gezinkte Karten, so geht das in Rostock seit Jahren, wenn es um das Theater geht. Das noch druckfrische 30 Seiten umfassende sehr honorige Papier mit konzeptionellen Vorschlägen seitens des Geschäftsführers des Theaters wurde meines Wissens vom OB nicht beantwortet. Bürgerbeteiligung wird versprochen, aber nicht realisiert.

Haben Sie das alles verstanden? Nicht? Dann geht es Ihnen wie vielen Rostockern und mir, die allmählich die Geduld verlieren angesichts dieser Spielchen, in denen sich ein undemokratisches Amtsverständnis und politische Kurzsichtigkeit zeigen. Und immer ganz vorn mit dabei… die SPD in Stadt und Land.

Denk‘ ich an Rostock in der Nacht …

STURMWACHE für das VOLKSTHEATER ROSTOCK

Um die Zukunft des Volkstheaters Rostock sieht es bedrohlich aus. Die Meinung von Politik und Bürgern geht weit auseinander, wenn es um die Zukunft des Volkstheaters geht. Die Initiative Volkstheater Rostock hat mit Unterstützung der Freunde und Förderer Volkstheater Rostock zu einer besonderen Aktion aufgerufen: „Sturmwache für das VTR"! Bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die einen besonderen Bezug zu Rostock haben und viele interessierte Bürger der Hansestadt Rostock beteiligen sich an der Sturmwache.

Beginnend mit dem 7. November 2015, dem Premierentag von Henrik Ibsens EIN VOLKSFEIND in der Regie von Sewan Latchinian, treten Bürger Rostocks an Vorstellungstagen jeweils abends 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn symbolisch ihren Dienst als Sturmwächter, um über ihre Stadt und ihr Volkstheater zu wachen. Die Bürger beziehen auf dem "Turm" -der Außentreppe am Probebühnentrakt – für ca. 15 Minuten den Posten eines Sturmwächters, um mit einem Glockenschlag und persönlichen Worten die Bewohner der Hansestadt einschließlich ihres Theaters vor nächtlichen Stürmen oder Unwettern zu warnen.

Hintergrund dieser symbolischen Besetzung des Hauses ist die andauernde und breite Beteiligung Rostocker Bürger, die im Frühjahr mit großer Vehemenz für das Theater mit allen vier Sparten und die Weiterarbeit des entlassenen Intendanten Sewan Latchinian demonstrierten. Diese öffentliche Partizipation soll angesichts der aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen mit einer langfristigen Aktion weiter erhalten und neu angeregt werden und die STURMWACHE als Plattform der demokratischen Meinungsäußerung genutzt werden.

Interessenbekundungen für diese außergewöhnliche Aufgabe eines "Sturmwächters" sind groß – auf der Facebook Seite von MUTHEA können Sie die Beiträge verfolgen. Wer mitmachen will, meldet sich bei Jan-Ole Ziegeler, Initiative Volkstheater Rostock oder bei den Freunden des VTR.

 

Armes Rostock!

volkstheater-rostockWann ist eine Stadt für ihre Bewohner attraktiv? Ganz sicher sind bezahlbarer Wohnraum und ein gut funktionierender Nahverkehr von einigem Wert, eine hohe Anzahl von Arbeitsplätzen und Kitaplätzen ebenso. Als Attraktion gelten diese Gegebenheiten heutzutage allerdings nicht. Viele Grünflächen und wenig fliegendes Papier, auch das macht eine Stadt lebens- und liebenswert. Aber auch das reicht am Ende nicht. Glücklich kann sich eine Stadt dann schätzen, wenn ihre Wirtschafts- und Kulturgeschichte, wenn ihre Traditionen in der Gegenwart erlebbar werden. Alte Gebäude und moderne Architektur, Museen, Theater, Galerien, die freie Kultur, sie alle prägen den Geist einer Stadt und sorgen für ihre Ausstrahlung, ihr Image.


Rostock braucht dieses Image des Urbanen offenbar nicht. Man gibt sich augenscheinlich zufrieden mit dem, was man hat. Viele Stadtpolitiker sowie der Oberbürgermeister sind nicht willens oder in der Lage, ihre Stadt wirtschaftlich und gleichermaßen kulturell groß zu denken. Wie wird sich Rostock in wenigen Jahren zum 800. Stadtgeburtstag kulturell präsentieren? Nur eine Vision scheint es seit Jahren dauerhaft zu geben, die des ausgeglichenen Haushaltes. Rechnen aber ersetzt nicht das Denken und Fühlen und Kommunizieren! Das Surfen im luftleeren und leblosen Universum der Zahlen scheint angenehm zu sein; hier lassen sich Phantasielosigkeit und das kommunikative Unvermögen gut verbergen. Armes Rostock! Aus diesen Gründen fehlt bis heute ein Maritimes Museum in der größten Stadt unseres Bundeslandes. Deshalb wurde kürzlich die Sanierung des einstigen Kunstmuseums in der August-Bebel-Straße ausgesetzt. Die Immobilie möchte die Stadt am liebsten ganz loswerden. Deshalb wird die so facettenreiche freie Kultur seit Jahren mit einem Hungerlohn abgespeist. Deshalb gibt man bereitwillig nun sein eigenes Stadttheater als älteste und größte Kunststätte preis. Wenigstens die Kunsthalle haben wir… aber auch ihre Renaissance war nicht das Resultat von leidenschaftlichem kommunalpolitischem Engagement. Ein Rostocker Zahnarzt übernahm seinerzeit und in letzter Minute Verantwortung und Risiko. Noch einmal: Wie wollen wir in zweieinhalb Jahren unseren Stadtgeburtstag begehen!?


Rostock spart Geld für einen ausgeglichenen Haushalt und ist bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen – den des Abfalls in die kulturelle Provinzialität, in die Mittelmäßigkeit des Geistes und die seelische Armut. Rostock als Stadt einer zweifelhaften Fußballbegeisterung und wirtschaftlich ambitionierter Großevents wird mit den Schwesterstädten an der Ostsee nicht mithalten können und weit hinter die kulturell attraktiven Städte wie Lübeck, Gdansk, Szczecin oder Kopenhagen zurückfallen.


Und aus aktuellem Anlass: Wer seine eigene Kultur nicht kennt, sie nicht schätzt und schützt, wer seine eigene lokale und Landesgeschichte nicht kennt, der weiß  am Ende um seine eigenen kulturellen Wurzeln nicht. Mit schwindender kultureller Identität aber schwindet Bildung und folglich unweigerlich auch das Bewusstsein darüber, welch hohes Gut die Demokratie darstellt. Das ist nicht ungefährlich. Wer die Theater angreift, wer bereit ist, Kunst und Kultur wegen kurzfristiger finanzieller Vorteile abzubauen, übernimmt angesichts der sich dieser Tage abzeichnenden Entstehung einer handfesten gesellschaftlichen Krise in Deutschland eine große Verantwortung.

Volkstheater Rostock: Die Meinung der Freunde und Förderer Volkstheater Rostock

 Die Freunde und Förderer Volkstheater Rostock e.V. haben auf Ihrer Homepage eine Seite eingerichtet zu den Geschehnissen am Volkstheater Rostock: UNSERE MEINUNG

http://theaterfoerderverein-rostock.de/category/unsere-meinung/

Hier finden Sie den stets aktuellen Stand der Diskussion

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Entlassung Sewan Latchinian "Der Unbequeme muss gehen" - "Nein" ist die Reaktion auf die Entlassung

Die Entlassung und die Reaktionen auf die Entlassung - ein Überblick

Zur Person: Sewan Latchinian, 1961 in Leipzig geboren, ist ausgebildeter Schauspieler und seit 1993 als Regisseur tätig. Nach Stationen als Oberspielleiter am Rheinischen Landestheater Neuss und der Neuen Bühne Senftenberg trat er 2014 seinen Fünfjahresvertrag als Intendant des Volkstheaters Rostock an.

31.3.2015 Der Intendant Sewan Latchinian wurde nach nur sieben Monaten Tätigkeit vom Hauptausschuss der Hansestadt Rostock mit 5 Stimmen pro und 5 Stimmen contra plus die entscheidende Stimme des Oberbürgermeisters Roland Methling mit sofortiger Wirkung fristlos entlassen. Grund für die Entlassung ist Latchinians Vergleich der Theaterpolitik Mecklenburg-Vorpommerns mit der Kulturzerstörung durch die Terrormiliz Islamischer Staat in einer Rede gegen die Theaterfusionspläne der Landesregierung bei einer Demonstration in Neustrelitz am 9. März sowie Aussagen Latchinians in einem Interview mit der Zeitschrift „Oper und Tanz". Methling hatte die Meinung vertreten, dass Latchinians Äußerungen gegen den Charakter seines bis Juli 2019 laufenden Vertrags verstießen.

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Die Geschichte vom Schweriner Hirngespenst - (k)ein Gruselmärchen

Es war einmal ein Land, schön gelegen an der Ostsee. Durch Handel und Wandel war es reich geworden und hatte in seiner Vergangenheit große Kirchen gebaut und große Schiffe und Häuser. In diesem Land lebten seit Menschengedenken viele brave Bürger und Bauern. Die Zeit verging, die Zeiten änderten sich. Nun wurden die Menschen regiert von Politikern, die früher einmal die Fürsten bekämpft hatten, nun aber selber in ein Schloss eingezogen waren. Dieses Schloss stand in Schwerin, einer kleinen Stadt an einem sehr großen See. Den Politikern gefiel es im Schloss, und so dachten sie sich, dass zu jedem Schloss auch ein Gespenst oder Poltergeist gehören müsste. Nun gab es dieses bereits, es hieß Petermännchen. Doch mit ihm war nicht mehr viel los, es war wohl in die Jahre gekommen.

So musste also ein neues Gespenst her. Da aber die moderne Zeit mit Autos und Flugzeugen angebrochen war, wollte sich partout kein altmodisches Gespenst einstellen. So kamen die Politiker auf die Idee des Hirn-Gespenstes. Sie dachten sich einfach eines aus! Und schon war es da! Dieses Hirngespenst erschien im Jahre 1994 zum ersten Male und war die Ausgeburt merkwürdiger Gedanken. Die Politiker damals dachten nämlich, dass Kunst und Kultur im Lande nur stören würden; die Untertanen seien mit gutem Essen und viel Unterhaltung zur Ablenkung viel besser zu regieren. Deshalb beschlossen sie gemeinsam mit ihrem Hirngespenst, das Geld für die Theater und Orchester des Landes lieber einzusparen. Wegen des knappen Geldes mussten schon bald viele Musiker und Schauspieler und Sänger und Theaterleute das Land verlassen oder sich eine andere Arbeit suchen. Doch noch immer ging der Vorhang in den schönen alten Häusern auf, noch immer lachten die Kinder, noch immer hofften die Erwachsenen auf ein gutes Ende im alten Bühnendrama zwischen Gott und Teufel. Noch immer erklangen Geige und Trompete und rührten der Menschen Herz. Doch dann begann ein Unglück über das Land an der Ostsee hereinzubrechen. Keiner verstand es, denn die Menschen arbeiteten weiter fleißig, sodass sich die Kassen im Schloss jedes Jahr aufs Neue füllten und füllten. Und doch brach das Unglück über das Land herein. Es sollte nun noch mehr in den Theatern gespart werden, einfach so, weil die Politiker und ihr Hirngespenst es eben beschlossen hatten. Sie nannten diese Gemeinheit Theaterreform. Weil die Kinder und die Erwachsenen dieses böse Spiel der Politiker aber nicht verstanden und zu murren begannen, wurde im Schloss nochmals Rat gehalten. Das Hirngespenst des Kaputtmachenwollens sollte einen Nebelzauber bewirken, und so ließ es immer und immer wieder im Land das Gerücht ausstreuen, dass kein Geld für die Theater und Orchester da sei. Die vielen fleißigen Leute aber hatten brav ihre Steuer bezahlt und wussten es daher besser und gingen endlich auf die Straße. Inzwischen hatte sich das Hirngespenst aber in den Rathäusern des kleinen Landes umgesehen und dort zu seiner großen Freude den einen oder anderen leeren Kopf angetroffen. Also ließ es sich darin für eine Weile nieder, bis der Träger dieses Kopfes ganz berauscht war von der Vorstellung, Geld auf Teufel komm raus zu sparen und die Theater dafür kaputt zu machen. Das Volk aber schrieb unterdessen Briefe an die Politiker im Schloss, besuchte diese sogar, bat, forderte, wollte wissen, warum dies alles geschehen musste. Geld war doch da, und Theaterbesucher gab es zu Hunderttausenden im Jahr. Es half alles nichts. Wegen des Hirngespenstes aus dem Schweriner Schloss wurde mit der Zeit aus dem schönen Land ein trauriges Land, man kann auch Provinz dazu sagen. In anderen Städten und Ländern schüttelte man den Kopf über das, was in dem schönen grünen Land an der blauen Ostsee geschah.

So geht es noch immer fort und fort, meinst du? Aber nein, das Gruselmärchen nähert sich seinem Ende!

Das Hirngespenst aus dem Schweriner Schloss hat nämlich seinen Schrecken verloren. Sein Zahlenzauber wirkt nicht mehr. Die Menschen verscheuchen es gerade aus ihren Köpfen und Städten und beginnen, sich mit vielen guten Dingen auszustatten. Mit diesen im Gepäck ziehen sie dem Gespenst entgegen und haben gar keine Angst. Hör genau hin, dann hörst du sie reden und singen und lachen! Worüber sie lachen? Nun, als das Hirngespenst vor kurzem einem kleinen Kind auf einer Spielstraße begegnete, verriet es mit böse-verschmitztem Gesicht dem Kleinen seinen Plan. Es habe genug von dem schlechten Theater im Schweriner Schloss. Die immer gleichen Gesichter mit den immer gleichen Ausreden, das sei ja sterbenslangweilig! Kein Humor, keine Phantasie, nicht mal gedankenhelle Sparpläne seien dort aufzufinden. Das reiche ihm jetzt. Daher habe es folgendes beschlossen: Es werde die Politiker demnächst ganz einfach- weg sparen. 

Interview mit dem Kultursminister von Mecklenburg-Vorpommern

Mathias Brodkorb2Interview des MV-Kultusministers Herrn Brodkorb in der Ostsee-Zeitung vom 07. Oktober 2014

http://www.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Volkstheater-braucht-mehr-Relevanz
http://www.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Kultur/Intendant-appelliert-an-die-Buergerschaft-Rostock-hat-das-Beste-verdient
Dieses Interview zu Beginn der neuen Spielzeit des Volkstheaters Rostock reiht sich als Beitrag ein in den seit einigen Wochen wieder dynamisch geführten politischen Diskurs seitens der Rostocker Bürgerschaft über die Zukunft des Volkstheaters Rostock.

Antje Jonas
Vorsitzende der „Freunde und Förderer Volkstheater Rostock e.V.“
Der nachfolgende Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Sicht der Autorin wieder.

 

Das Rostocker Theater hatte eine große Vergangenheit

Das Volkstheater Rostock steht in einer über 200-jährigen Tradition. Bereits 1786 wurde in der Nähe des Steintores ein Haus gebaut. Bürger der Hansestadt finanzierten und besuchten es. Als das Gebäude abbrannte, entstand ein großer repräsentativer Neubau unweit des vormaligen Standortes. Nach kurzer Bauzeit, wiederum finanzierte das Bürgertum der Stadt sein Theater, konnte es 1895 (wieder)eröffnet werden. 1942 wurde Rostock bombardiert. Das Gebäude erhielt mehrere Treffer und brannte fast vollständig aus. Dennoch: Seit 1895 gilt die neue Zeitrechnung des Theaters in Rostock, das nunmehr als Volkstheater Rostock vor wenigen Tagen seine 120. Spielzeit eröffnet hat. Das Theaterspektakel „Stapellauf“ unter der Regie des neuen Intendanten Sewan Latchinian weckte sogar bundesweit großes Interesse und begeistert das Publikum.
Die sozialistische Zeit vor der Wende war gekennzeichnet durch die besondere politische und theaterästhetische Positionierung des Hauses unter dem Intendanten Hanns Anselm Perten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Rostock sehr erfolgreich Wagner-Opern inszeniert. Diese beiden Traditionslinien spielten nach der Wende allerdings keine Rolle mehr. Das Wissen um diese beiden Traditionslinien muss erst wieder vergegenwärtigt werden. Gespielt wird seit 1945 in einem Provisorium, dessen Kern ein altes Veranstaltungshaus ist, um mit Anbauten versehen wurde. Die Theatertechnik ist hoffnungslos veraltet. Das Theatergebäude des Volkstheaters Rostock verliert im Jahr 2018 seine technische Betriebsgenehmigung.

 

Die Gegenwart des Theaters in Rostock scheint überkomplex
Nach 1990 kam es zu vielen Intendantenwechseln, das hauseigene Marketing ließ einiges zu wünschen übrig; das Repertoire konnte mit dem rasanten gesellschaftlichen Wandel nicht Schritt halten, Publikum ging verloren, die Tageszeitungen berichteten kontinuierlich und spiegelten den fortschreitenden Bedeutungsverlust des Hauses für die Kunst- und Kulturszene der Stadt. Die Stadtgesellschaft befand sich zudem im Umbruch: Werftenschließung, Abwanderung tausender Rostocker, neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung usw. Dann wurde wegen Brandschutzmängeln das Haus ganz geschlossen; der Umzug in ein Theaterzelt verursachte vermutlich einen weiteren Rückgang an Besuchern. Das Ensemble indes hat während all der Jahre der enormen Belastung sehr respektabel gearbeitet. Immer wieder gab es herausragende Leistungen, auch Uraufführungen und sehr viele ausverkaufte Abende.
Die Bürgerschaft der Hansestadt Rostock als größter Stadt des Landes Mecklenburg-Vorpommern bekennt sich nur halbherzig zu seinem traditionsreichen Haus und damit zu einer der fünf Traditionen der Stadt (Kirche, Hanse, Universität, Maritime Wirtschaft, Theater). Vor über zwanzig Jahren wurde der Beschluss gefasst, einen Theaterneubau zu realisieren. Seitdem streiten Bürgerschaft und Verwaltung über einen geeigneten Standort. Viel Papier mit Standortgutachten usw. ist geschwärzt worden, passiert ist de facto nichts. Der Eindruck entsteht, dass besagte Gremien ihr Theater nicht lieben, es aber auch nicht abschaffen wollen. Mit etwa 130.000 Besuchern im Jahr 2013 spielt das Volkstheater nur etwa acht Prozent der Kosten ein, in der Tat zu wenig. Die Stadt hingegen prosperiert, hat Zuzug und ist in der Lage, Schulden ans Land zurückzuzahlen. An der Universität studieren etwa vierzehntausend junge Leute. In Rostock arbeitet die Hochschule für Musik und Theater sehr erfolgreich. Hier sind etwa 500 Kunststudenten immatrikuliert.


Und in Zukunft?
Die unentschiedene und zunehmend nur fiskalisch geführte Theater-Diskussion seitens der Stadt und auch der Stadtgesellschaft erfährt eine Dynamisierung durch die Rolle, die das Land spielt. Die Landesregierung gibt bei einem Gesamtetat von 7000 Millionen lediglich 35,8 Millionen Euro für alle Theater und Orchester aus. Das entspricht 0,5 Prozent aller Landesmittel! Diese Summe ist zudem seit Jahren nicht an die Inflationsrate angepasst worden, sodass die Häuser, darunter Rostock, netto weniger finanzielle Unterstützung bekommen als noch vor fünf oder zehn Jahren. Da alle Verhandlungen mit dem Land scheiterten und auch die neun Modelle der vom Land bestellten Firma METRUM nicht dazu führten, den Gesamtprozess kommunikativ glaubwürdig zu gestalten, und auch nicht dazu dienten, die Verdienste der Häuser zu würdigen, sondern Strukturen herbeizuführen, die in Zukunft tragfähig sein sollen, mussten alle Häuser schmerzhafte Anpassungsleistungen erbringen. In Rostock ging eine Spielstätte verloren, weil das Volkstheater die Miete an die Stadt nicht mehr zahlen konnte. Nun steht das Theater im Stadthafen im Grunde genommen leer, abgesehen von jungen Künstlern der HMT und der freien Szene, die darin auftreten dürfen. Doch der diese Nutzung ermöglichende Vertrag endet demnächst. Stellenabbau , keine Nachzahlung von tariflich garantierten Lohnerhöhungen, anstehender Haustarifvertrag für das Orchester, Austritt aus dem Bühnenverein, alles dies sind Rostocker Maßnahmen zum Schutz der vier Sparten, für deren Erhalt sich 2013 über dreizehntausend Rostocker mit ihrer Unterschrift ausgesprochen hatten.
Diesen Hintergrund gilt es zu beachten bei der Lektüre des OZ-Interviews des Ministers (Verlinkung). Die darin veröffentlichten Formulierungen sind im Grunde nicht neu und stellen ein Statement eines SPD-Politikers mit Wahlkreis in der Rostocker Innenstadt dar, in der sich auch das Theater befindet. Vielleicht soll das Interview in der Tat eine neue Qualität des kommunikativen Stils andeuten. Wünschenswert und wahrlich not-wendig wäre dieser Mentalitätswechsel, da die politische Diskussion in Stadt und Land sowie zwischen Stadt und Land längst in unannehmbarer Weise von Befindlichkeiten geprägt zu sein scheint denn von einer sachbezogenen und zugleich mit Empathie vermittelnden Kunst der Verhandlung. Die Zeit drängt. Beide Prozesse, der Prozess der inhaltlichen und strukturellen sowie finanziellen  Ausgestaltung der Rostocker Theaterzukunft mit vier Sparten einerseits und der Neubauprozess andererseits müssen miteinander entwickelt werden, nicht nacheinander. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe für alle am Diskurs Beteiligten.

Ständige Konferenz der Theaterintendanten in MV gegründet - Not schweißt zusammen

19. November 2013. Mecklenburg-Vorpommerns Theaterintendanten schließen sich zusammen. Am Montag gründeten sie die Intendantenkonferenz Mecklenburg-Vorpommern, die angesichts der prekären Finanzlage ein gemeinsames Sprachrohr gegenüber der Landespolitik sein will. Trotz aller Maßnahmen zum Personalabbau und zur Einnahmensteigerung reiche das Geld nicht aus, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die Schwerins Intendant Joachim Kümmritz als Gastgeber des Treffens verlas. Die Stimmung in den Häusern werde zunehmend unerträglich, die Sparten und Künstler fühlten sich aufeinandergehetzt.

Das Theaterkonzept der Landesregierung, das auf einem Gutachten der Beratungsgesellschaft Metrum basiert, bezeichnen die Intendanten als gescheitert. Das Ziel, mit gedeckelten Landeszuschüssen bis 2020 das Fortbestehen der Theater und Orchester im Land zu sichern, könne nicht mehr aufrechterhalten werden, "die Berechnungen bestehen aus Annahmen". Die Intendanten betonen in ihrer Erklärung, dass die Theater keine Sanierungsfälle seien. "Sie trügen mit hoher Verantwortung zur ästhetischen Bildung durch darstellende Kunst und Musik bei." In Schwerin waren am Montag alle Intendanten zusammengekommen, mit Ausnahme des Intendanten der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz, Wilhelm Denné, der aus terminlichen Gründen absagen musste. 

 

Ihre Erklärung lautet wie folgt:

1. Wir haben heute (11.11.2013) die ständige Intendantenkonferenz des Landes Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Wir bieten uns als direkten Kontakt als Fachleute für die Landesregierung an. Diese Gründung basiert auch darauf, dass insbesondere, trotz aller, an den Theatern durchgeführten Maßnahmen wie Personalabbau und Einnahmesteigerungen, kein Ende der Probleme in Sicht ist.

2. Die Lage an den Theatern wird für Theaterleiter und Mitarbeiter immer unerträglicher. Sparten, Künstler fühlen sich aufeinander gehetzt! Die künstlerische Arbeit leidet darunter.

3. Wir brauchen eine neue demokratische theaterpolitische Debatte für dieses Land, gemeinsam mit den Kommunen, die nicht von statistischer Zahlenspielerei sondern durch inhaltliche Debatten geprägt sind.

4. Das bisherige Metrum Gutachten ist gescheitert. Das Ziel mit gedeckelten Landeszuschüssen bis 2020 das Fortbestehen der Theater und Orchester im Land zu sicher, kann nicht mehr erreicht werden. Die Berechnungen bestehen aus Annahme. Grundsätzliche Betrachtungen werden nicht besprochen. Insellösungen helfen nicht weiter.

5. Theater sind keine Sanierungsfälle. Sie tragen mit hoher Verantwortung ihren Teil zur ästhetischen Bildung durch darstellende Kunst und Musik bei.

6. Wir bieten deshalb unseren Sachverstand zur inhaltlichen Debatte weiterhin an, wie bisher. Die Landesregierung möge ihn mehr als bisher zur Vorbereitung von Entscheidungen nutzen. Desweiteren empfehlen wir mehr als bisher den Sachverstand des Deutschen Bühnenvereins zu nutzen. Neue Gutachten helfen uns nicht weiter.

7. Theater brauchen Klarheit, zwischenzeitlich anerkannt. Ständige Insolvenzbedrohungen schaden dem Ansehen der Kulturpolitik des Landes, seinem Kommunen und den Theatern enorm. Alles andere wird scheitern.

(Volkstheater Rostock/sik)

Neues aus Rostock

Volkstheater Rostock muss sein ...

Liebe Theaterfreunde, machen Sie sich stark für ein eigenständiges Theater in Rostock und für den langfristigen Erhalt aller vier Sparten. Unterstützen sie die Unterschriften-Aktion des Volkstheaters Rostock.

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Ulrich Khuon zu den Rostocker Verhältnissen

Schluss mit der Jongliererei!

Berlin, 17. Januar 2013. In einem Gespräch, das in der Sendung Fazit auf Deutschland Radio Kultur (17.1.2013) ausgestrahlt wurde, hat Ulrich Khuon als Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein zu den jüngsten Turbulenzen um dasRostocker Volkstheater Stellung genommen. Er würde dem Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling raten, dem Theater mehr Sicherheit, Ruhe und Verlässlichkeit zu geben. Das Theater brauche für eine erfolgreiche künstlerische Arbeit verlässliche politische Partner. 

Khuon sagte, er frage sich, warum die Konsolidierung in Rostock erst in letzter Sekunde gelungen sei. Rostock sei eine florierende Stadt, die sich das Theater leisten könne. Auch der Kultusminister von Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Brodkorb, hantiere mit allen möglichen Fusionen herum, die alle nicht zu Ende gedacht seien. Die Gefahr sei, dass das Theater zwischen die Mühlsteine des Einsparwillens der Stadt und des auf Strukturänderungen an der Theaterlandschaft orientierten Landes gerate. Die Frage sei doch, ob die Schweriner eine Fusion mit Rostock wollten, ob die Rostocker eine Fusion mit Schwerin wollten, ob man im Falle einer Fusion der Theater von Schwerin und Rostock wirklich etwas spare oder ob die Theater ihre Identität verlören? Und natürlich seien die häufigen Intendantenwechsel in Rostock in den vergangenen Jahren beispiellos.

Dabei seien ja die positiven Ansätze da. Es brauche nun einen Intendanten für längere Zeit, der die Unterstützung der Politik habe und es brauche den für 2018 geplanten Neubau des Theaters.
Dann würde auch die Theaterarbeit in Rostock wieder erfolgreich werden.

(DLR / jnm)

Volkstheater Rostock : Insolvenz abgewendet

Volkstheater Rostock: Insolvenz abgewendet

Halb verhungerte Kuh

Rostock, 16. Januar 2013. Die drohende Insolvenz des Volkstheaters Rostock ist abgewendet. Wie die Norddeutschen Neuesten Nachrichten schreiben, hat die Rostocker Bürgerschaft einen Maßnahmenkatalog zur Rettung des Hauses beschlossen, der die Liquiditätsprobleme der Bühne löst. "Von Seiten der Stadt fließen zunächst 450.000 Euro in die Theaterkasse, darunter 130.000 Euro für notwendige Investitionsmaßnahmen. Der Zuschuss für 2013 erhöht sich somit auf rund 8,2 Millionen Euro. Für 2014 wird der kommunale Zuschuss um 900 000 Euro erhöht."

Damit ist der Kampf des Volkstheaters um seinen Erhalt allerdings noch nicht zu Ende. Die Differenz zur Summe, die für die nötige Liquidität aufgebracht werden muss, beträgt 450.000 Euro und soll vom Theater selbst erwirtschaftet werden. "Die Kuh ist vom Eis, aber immer noch sehr mager und halb verhungert", fasst Volkstheater-Geschäftsführer Stefan Rosinski das Verhandlungsergebnis im Gespräch mit nachtkritik.de zusammen.

Durch diesen auch vom Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling mitgetragenen Kompromiss können nun auch die 500 000 Euro Fördermittel aus dem Kultusministerium abgerufen werden. Methling hatte zuvor mehrfach sein Veto gegen Bürgerschafts-Beschlüsse zugunsten des Theaters eingelegt und so die Dringlichkeitssitzung erst nötig gemacht.

Das Volkstheater Rostock blickt auf eine jahrelange Krisengeschichte zurück. Vorläufiger Tiefpunkt waren dabei die Schließung des Großen Hauses und das Hickhack um einen Neubau. Außerdem ist Rostock Teil umfangreicher Strukturreformpläne des Kultusministeriums.

Mehr zur Krise des Volkstheaters Rostock: Im Dezember 2012 hatte das Ensemble dieBereitschaft zum Lohnverzicht erklärt für den Fall, dass die Stadt das Theater erhält. Ende Juni hatte die Rostocker Bürgerschaft die Pläne für einen Theaterneubau durchgewinkt, die später wieder in Frage gestellt wurden. Schon vorher allerdings hatte der neu gewählte Oberbürgermeister das Theater zum Sparen aufgefordert. Der amtierende Intendant Peter Leonard gab im Mai bekannt, dass er seinen Vertrag über die Spielzeit 2013/14 hinaus nicht verlängert.

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